Broschüren "Sachsen unten rechts" 2024
Bereits zum zehnten Mal hat das Kulturbüro Sachsen die Broschüre "Sachsen rechts unten" herausgebracht. Dieses Mal liegt der Fokus auf dem "Kampf um die Parlamente und in den Parlamenten" durch die extreme Rechte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Sachsen rechts unten" Kulturbüro Sachsen warnt vor "Machtoption" der AfD bei anstehenden Wahlen

07. Mai 2024, 15:24 Uhr

Das Kulturbüro Sachsen warnt vor dem zunehmenden Einfluss rechtsextremistischer Parteien im Superwahljahr in Sachsen. Ihre neue Publikation "Sachsen rechts unten 2024" zeigt in sieben Artikeln, wie die extreme Rechte den "Kampf um die Parlamente und in den Parlamenten" führt.

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Das Kulturbüro Sachsen warnt vor einem zunehmenden politischen Einfluss rechtsextremer Parteien im Zuge des Superwahljahrs 2024. Dass Sachsen seit vielen Jahren ein Problem mit Rechtsextremismus habe, sei keine Neuigkeit, sagt Geschäftsführer Michael Nattke bei der Vorstellung des zehnten Kulturbüro-Berichts "Sachsen rechts unten" am Dienstag in Dresden. "Aber wir haben dieses Jahr die Situation, dass tatsächlich zum ersten Mal eine gesichert rechtsextreme Partei eine Machtoption bei den Wahlen hat." Gemeint ist damit die AfD, deren sächsischer Landesverband vom Landesverfassungschutz im Dezember vergangenen Jahres als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft wurde.

Demokratische Parteien sollen Antworten liefern

Nattke geht davon aus, dass die AfD in den kommenden Wahlen in Sachsen mehr als 25 Prozent der Stimmen erhalten wird. "Viele Menschen schreckt es nicht mehr ab, dass die AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft wird." Die Ursachen dafür sieht er zum Beispiel in den rechten Einstellungen in der Bevölkerung. "Zum anderen haben wir vor allem in Ostdeutschland die Situation, dass viele Menschen noch nicht verstanden haben, dass in einer Demokratie Dinge selbst angepackt werden müssen und dass man selbst die Demokratie weiterentwickeln kann und muss."

Ein Mann im Kulturbüro
Michael Nattke, Geschäftsführer des Kulturbüros Sachsen, warnt vor den Wahlen in Sachsen vor rechtsextremistischen Parteien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein weiterer Grund sei, dass in Sachsen Rechtsextremismus viele Jahre heruntergespielt worden sei. Erst seit einigen Jahren werde sich ernsthaft mit Rechtsextremismus auseinandergesetzt und dagegen vorgegangen. "Wenn man sich fragt, was kann man gegen Rechtsextremismus tun, ist eines der Dinge, dass die demokratischen Parteien Antworten finden müssen auf die wirklichen Probleme in unserer Gesellschaft", so Nattke. "Und zwar Antworten, die umsetzbar und bezahlbar sind." Das sei eine große Aufgabe für die Parteien.

Angriff auf SPD-Abgeordneten "nicht überraschend"

Auch der Angriff auf den Europaabgeordneten Matthias Ecke beim Aufhängen von Wahlplakaten in Dresden zeigt eine Zuspitzung der Rhetorik in der rechten Szene. "Das hat uns zutiefst erschüttert und gleichzeitig hat es uns auch nicht überrascht", sagte die Sprecherin des Kulturbüros, Melanie Riedlinger, bei der Vorstellung der Jahrespublikation.

Menschenverachtende Ideologien führen auch zu menschenverachtenden Taten.

Melanie Riedlinger Sprecherin Kulturbüro Sachsen

Bereits in den Wintermonaten habe das Kulturbüro gewarnt, dass sich die Rhetorik der rechten Szene in zugespitzter Form während eines Wahlkampfes auch in Taten äußern könnte. Menschenverachtende Ideologien führten auch zu menschenverachtenden Taten, so Riedlinger.

"Freie Sachsen" als Sammelbecken für Neonazis

Mit Blick auf die Kommunalwahlen im Juni warnt Nattke zudem vor der rechtsextremistischen Kleinstpartei "Freie Sachsen". "Die 'Freien Sachsen' sind im Schatten der AfD als Sammelbecken für Neonazis in Sachsen entstanden", sagt er. "Sie sind zwar eine Partei, aber nur deswegen, weil sie die Vorteile einer Partei nutzen wollen und eigentlich dazu da sind, Unruhe zu stiften und die Neonazis im Land zu mobilisieren." Die Freien Sachsen seien sehr gut vernetzt und ein Ventil für viele, die sehr unzufrieden mit allem Möglichen seien. Das Kulturbüro geht davon aus, dass die Partei in viele Kommunalparlamente einziehen werde.

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Ein Mann steht an einem Rednerpult. 34 min
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MDR AKTUELL Fr 07.05.2021 10:15Uhr 33:46 min

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Seit 2014 legt das Kulturbüro jährliche Analysen zur extremen Rechten in Sachsen vor. Der diesjährige Report des Kulturbüros zeigt in sieben Artikeln auf, wie die extreme Rechte den "Kampf um die Parlamente und in den Parlamenten" führt. Das Jahr 2024 ist in Sachsen ein Superwahljahr. Neben der Europawahl finden am 9. Juni auch die Kommunalwahlen statt und am 1. September ist die Landtagswahl.

MDR (ali/pkl/ben)/KNA/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 07. Mai 2024 | 19:00 Uhr

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