Verkündigungssendung Das Wort zum Tag bei MDR SACHSEN

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche Christoph Pötzsch.

Donnerstag, 03.04.2025: Werte

Hätte mich noch vor wenigen Wochen jemand gefragt, was die großen Werte meines Lebens sind, so hätte ich mit den allseits bekannten Standards geantwortet und aufgezählt, dass ich in meinem bisherigen Leben weder Krieg noch Arbeitslosigkeit kennen gelernt habe. Ich hätte mit Dankbarkeit erwähnt, dass aus meinen Kindern etwas geworden ist und sie - im guten Sinne gemeint - mich nicht mehr brauchen.

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gesprochen von Christoph Pötzsch

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 25.03.2025 14:32Uhr 02:22 min

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Auch hätte ich nicht unerwähnt gelassen, dass ich ein glückliches Familienleben habe, ein schönes Zuhause. Und natürlich, dass ich die Wende erleben durfte und seitdem die Welt habe sehen können. Aber seit wenigen Tagen habe ich einen weiteren Wert für mich entdeckt. Einen großen. Nämlich:  Mir die Schuhe alleine anziehen zu können. Ich genieße das. Nein, ich feiere das geradezu.

Vor wenigen Wochen hatten die Orthopäden mein kaputtes Knie gegen ein neues künstliches ausgetauscht. Für mich ein medizinisches Wunder, für die Profis im weißen Kittel fast Routine.

Als ich aus der Narkose erwachte, wurde mir bewußt: Es ist alles gut verlaufen. Trotzdem mischte sich in meine Freude auch eine gewisse Besorgnis. Das operierte Bein war dick bis zur Unförmigkeit und hätte für sich sicher mindestens einen Zentner gewogen.

Das dauert, wurde mir leichthin erklärt, da müssen Sie halt Geduld haben. Nichts ging mehr. De Schwestern mussten mir die Schuhe an- und ausziehen. Da kommt man sich hilflos und beschämt vor. Und man fragt sich, warum man diesen eigentlich schlichten Handgriff früher nicht als etwas Besonderes wahrgenommen hatte.

Jetzt im Zuge der Reha ist es mir erstmalig nach langem und schmerzhaftem Training gelungen, die Schuhe wieder selbst anzuziehen. Sie können mir glauben, ich hatte fast Tränen in den Augen. Es war ein Fest. Ich glaube, bis zum Ende meines Lebens werde ich das Anziehen der Schuhe besonders genießen.

Ja, so ist das mit den Werten. Betrachten wir Werte als Gottes Geschenke. Und betrachten wir die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens als nicht selbstverständlich. So wie ich mit den Schuhen...

Mittwoch, 02.04.2025: Kreuze

Immer noch hängen in vielen europäischen Ländern in Gerichtssälen Kreuze an den Wänden.

Wenn man sich im Netz auf dem Weg macht und nach diesem Thema sucht, dann wird man von den verschiedenen Meinungen dazu wie ein Wasserfall überschüttet.

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gesprochen von Christoph Pötzsch

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 25.03.2025 14:32Uhr 02:11 min

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Es wird gestritten ohne Ende. Darf in einem Gerichtssaal ein Kreuz hängen? Darf man die Entfernung des Kreuzes verlangen? Die Meinungen gehen hin und her. Die einen meinen, das Kreuz verletze die weltanschauliche Neutralität eines Gerichts und die Würde der vor den Gerichten auftretenden Nichtchristen.

Die anderen berufen sich auf die Tradition und die kulturelle Identität Europas, die ohne das Christentum nicht vorstellbar ist. Und es gibt die, die schlichtweg etwas so Schlimmes wie das Kreuz, das ja auch für Strafe und Hinrichtung steht und als Drohung wahrgenommen werden kann, nicht sehen wollen. Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz.

Auch bereits der Dichterfürst Goethe hatte so seine Schwierigkeiten damit.

"Willst du mir zum Gotte machen, solch ein Jammerbild am Holze!" fragt er in den "Venezianischen Epigrammen". Mit dem Fundament des Christentums, der Theologie des Gottessohns und Erlösers, konnte er sich nie befreunden.

Er wollte nicht den Gekreuzigten, er wollte den Auferstandenen dargestellt wissen.

Vor dem Kreuz zu flüchten kann man, jedenfalls vor dem Holzkreuz an der Wand. Aber das Kreuz einfach so abzunehmen und auszublenden, als ob es das nicht gäbe, erscheint einfach unvollständig. Zum Leben gehören Leid und Tod ebenso wie Freude und Glück. Das Kreuz ist immer dabei.

Ich halte es nach wie vor für hilfreich, ein Kreuz im Gerichtssaal zu haben. Meine Meinung. Es erinnert einerseits an einen der schlimmsten Justizmorde der Geschichte und mahnt andererseits, dass die irdische Rechtsprechung immer nur die vorletzte Instanz ist.

Dienstag, 01.04.2025: Der Teufel lauert überall

"Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt". Diese am Dresdner Georgentor etwas versteckte steinerne Schrifttafel aus der Renaissancezeit warf bei einer Führung, die ich machte, die Frage nach dem Teufel auf.

Gibt es den überhaupt? Und wenn ja, wie sieht er aus? Wie findet man ihn? Und was kann man gegen ihn tun?

Schwierig, schwierig. Denn man muss sich zunächst vom Kinderglauben verabschieden, der Teufel sei eine fassbare Figur, mit Hörnern und Pferdefuß. Nein, da würden wir es uns zu einfach machen. Wir sollten die Frage anders und abstrakt stellen: Gibt es das Böse auf der Welt? Und wie finden wir es, um etwas dagegen zu tun?

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gesprochen von Christoph Pötzsch

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 25.03.2025 14:32Uhr 02:12 min

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Natürlich gibt es das Böse. Sich dieser Erkenntnis zu verweigern und auf allseits heile Welt zu machen, wäre nicht nur naiv, das wäre auch gefährlich. Wir müssen ja nur auf unsere unvollkommene Welt schauen.

Aber bitte schauen wir auch auf uns. Jeder von uns trägt ebenfalls das Böse in sich. Kein Mensch ist nur gut. Der Mensch besteht aus beiden Seiten. Aus Gutem und Bösem. Wir sind genetisch so angelegt, als anthropologische Wundertüte. Erziehung und Bildung können viel bewirken.

Aber das Böse bekommen wir nicht gänzlich aus uns heraus. Das ganze Leben, vielleicht auch der Sinn des Lebens besteht darin, in uns gegen das Böse anzukämpfen. "Nur wer strebend sich bemüht, den können wir erlösen…", gibt uns Meister Goethe mit auf den Weg.

In einem Text fand ich folgende interessante wie auch originelle Ortsbestimmung. Suche dort, wo Eigentum, Tradition, Familie und Religion bekämpft werden. Genau dort wirst Du den Teufel finden. Dort ist er am Werk. Denn genau diese vier Themen sind ihm ein Graus. Die will er zerstören. Und damit sind wir schon in der heutigen Welt. Schauen wir uns um. Dann können wir den Zerstörer lokalisieren und etwas gegen ihn unternehmen.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.