Jobben für Olympia Spitzensportler bekommen weniger Förderung von der Sporthilfe
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11. März 2023, 15:34 Uhr
Junge Sporttalente in Sachsen-Anhalt haben es schwer: Spitzensport kostet Geld und nun gibt es für viele Talente weniger Fördergeld. Der Magdeburger Speerwerfer Moritz Morstein jobbt deswegen als Trainer für Crossfit – ein Hindernis auf dem Weg zum Olympia-Kader 2028.
Um im Spitzensport zu bestehen, brauchen Athleten bestenfalls ein dickes Portemonnaie. Man muss es sich in Deutschland schlicht leisten können, Spitzensportler zu sein. Das hat auch das junge Speerwerfer-Talent Moritz Morstein vom SC Magdeburg leidvoll erfahren müssen.
Erst konnten ihn seine Eltern nicht mehr finanzieren, dann verringerte sich die Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Der volle Fokus auf den Sport fiel damit erst einmal aus.
Spitzensport plus Nebenjob
Der 20-Jährige ist bereits deutscher U-20-Meister. Gerade bereitet er sich auf die U-23-Europameisterschaft in Finnland vor, das Fernziel ist jedoch ganz klar Olympia 2028. Doch statt all seine Zeit und Kraft in diesen Traum zu investieren, muss er nebenbei jobben.
Statt selbst zu trainieren, bringt er Menschen fünfmal die Woche Crossfit bei. "Für mich ist es natürlich toll, meine Erfahrungen als Trainer weiterzugeben", sagt Morstein. Trotzdem sei es eine Belastung: "Weil viel Zeit dafür draufgeht." Zeit, die seine Konkurrenten womöglich haben.
Sporthilfe wusste nicht von Förderungsbedarf
In die missliche Lage ist Morstein ohne eigene Schuld geraten. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte den Perspektivkader für Olympia 2028, wie Recherchen der Süddeutschen Zeitung ergaben, um 77 Athleten erweitert. Darunter war auch Morstein. Eine freudige Nachricht für den Athleten. Die Aufnahme in den Kader bedeutet eigentlich 700 Euro Förderung pro Monat.
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die das Geld auszahlt, hatte nur leider von der Vergrößerung des Kaders durch den DLV erst im Nachhinein erfahren. Wie die Sporthilfe MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage mitteilte, war dies bei einer Gutachter-Ausschusssitzung im Dezember nicht kommuniziert und der finanzielle Mehrbedarf entsprechend nicht in den Förderhaushalt für 2023 eingeplant worden. Die 77 Sportler sollten also zumindest in der laufenden Saison leer ausgehen.
Familie kann Sportkarriere nicht mehr zahlen
Morstein erfuhr davon kurz vor Weihnachten. Ein Schock. Inzwischen haben DLV und Sporthilfe zumindest einen Kompromiss geschlossen. Laut Süddeutscher Zeitung wird den betroffenen Athleten nun immerhin eine individuelle finanzielle Sporthilfe-Förderung von 300 Euro pro Monat gewährt.
Lange finanzierten Morsteins Eltern seine Sportlerkarriere. Ob Geld für die Trainingskleidung oder den Sprit, um zu Wettkämpfen zu fahren, der 20-Jährige musste sich darüber bislang wenig Gedanken machen. Mit einem tragischen Ereignis in der Familie, über das der Speerwerfer schweigt, änderte sich das ganz plötzlich.
Morstein geht an Öffentlichkeit und gewinnt Förderer
Um sein Spitzensportler-Dasein fortzusetzen, geht der Athlet schließlich an die Öffentlichkeit. Mit Erfolg, denn tatsächlich wird ein Förderer auf ihn aufmerksam. Um wen es sich handelt und wie hoch die finanzielle Unterstützung ist, darf und will Morstein nach eigener Aussage nicht preisgeben.
Ganz los ist er seine Geldsorgen trotz des Sponsors jedenfalls nicht. Seinen Job als Crossfit-Trainer kann er nicht aufgeben. Dennoch fühle er sich nun befreiter. Die Belastung, zweimal täglich zu trainieren und nebenbei noch zu arbeiten, nimmt er – wie könnte es anders sein – sportlich: "Als Sportler müssen wir uns vielen Aufgaben alleine stellen. Ich mache das, weil ich den Sport liebe und ich kämpfe dafür, mal bei Olympia zu stehen."
MDR (Marie Milius, Daniel Salpius, Julia Heundorf)
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. März 2023 | 19:00 Uhr
goffman am 13.03.2023
Ich bezog mich auf den Profi-Fußball, den ich nicht mehr als gemeinnützigen Sportverein betrachten würde, sondern als Unterhaltungsindustrie. Dazu hat z.B. das ARD Magazin Monitor einige Beispiele: "Profifußball in Deutschland: Steuermillionen für Profit-Unternehmen"
goffman am 13.03.2023
Ist das so? Wie sind Sie zu Ihren Hobbys gekommen?
Bei mir war das damals so, meine Eltern haben mich als Kind im Sportverein angemeldet, später habe ich mir Sportarten ausgesucht, die mir Spaß machten, wobei Freunde natürlich auch eine Rolle gespielt haben. "Idole" hatte ich nie.
Ich denke, die Vorbildfunktion der Eltern, das Heranführen an Sportarten im Schulunterricht und der Freundeskreis sind die deutlich wichtigeren Faktoren.
Es mag sein, dass Fußballstars tatsächlich den von Ihnen beschriebenen Effekt haben. Bei anderen Sportarten würde ich den Einfluss von Spitzensportlern auf die sportliche Betätigung von Kindern und Jugendlichen aber bezweifeln.
Trotzdem bleibt die Frage, warum der Profi-Fußball so viel mehr Subventionen erhält als andere Sportarten und ob das Schwimmbad, die Kletterhalle oder auch der kleine Sportverein in der Kleinstadt nicht wichtiger für die sportliche Betätigung der Gesellschaft sind.
Schenkendorf am 12.03.2023
@goffman/ Wenn wir nicht die halbe Welt mit unseren Steuergeldern fördern würden, bliebe auch genug für den Breitensport übrig. Wir hätten Schulen, die über benutzbare Turnhallen verfügen. Keine Schulklasse muß dann mehr eine halbe Stunde mit dem Bus fahren, um im Nachbarort die Sportstunde zu absolvieren. Es gäbe genügend Sportlehrer, die sich auch mehr außerhalb des Unterrichts, in den Vereinssport einbringen könnten. Dort beginnen nämlich die zukünftigen Olympiasieger ihren Weg. Die kümmerliche Sportstunde in der Woche, würde nicht mehr wegen Lehrermangel ausfallen. Da aber bestimmte politische Kreise einen Horror davor haben, bei der Siegerehrung eine deutschen Flagge zu sehen und unsere Nationalhymne zu hören, stößt Spitzensportförderung dort auf kein Interesse! Die USA und China lachen sich derweil über die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt kaputt.