Universität LeipzigRestaurierte Erker-Originale des Fürstenhauses Leipzig erstmals ausgestellt
Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sind zwölf Fragmente der beiden Leipziger Fürstenhaus-Erker nach einer Restaurierung öffentlich zu besichtigen. Sie gehörten zum prächtigsten Renaissancebau der Messestadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er durch Brand- und Sprengbomben zerstört. Mit einem neu geschaffenen Lapidarium und einer Ausstellung zu den Fürstenhaus-Erkern arbeitet die Uni Leipzig auch ihre – jüngere – Geschichte auf.
- Die originalen Leipziger Fürstenhaus-Erker sind nach einer umfassenden Restaurierung in einer Ausstellung der Uni Leipzig zu sehen.
- Eine Erker-Kopie der Dresdner Bildhauer Hempel hängt seit 1986 gegenüber dem Uni-Grundstück an einem 80er-Jahre-Bau.
- Mit den Erker-Fragmenten arbeitet die Uni Leipzig auch ihre eigene Geschichte auf.
Gegenwärtig ziert sein Abbild Pizzakartons und Servietten: Der Leipziger Fürstenhaus-Erker über einem stadtbekannten italienischen Restaurant gilt als augenfällige Wegmarke in Leipzigs Grimmaischer Straße. Dort erinnert er seit den 1980er-Jahren als Kopie an eines der wohl bedeutendsten Renaissance-Gebäude Leipzigs: das Fürstenhaus. Reich verziert und gar mit zwei Erkern ausgestattet, fiel es 1943 den Bomben zum Opfer.
Umfassende Restaurierung der Erker-Fragmente
Per Seilwinde hat nun ein Bau- und-Restauratoren-Team rund vier Tonnen Rochlitzer Porphyr zuerst aufs Gerüst und dann an die südliche Betonwand der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät befördert: Zwölf Fragmente der beiden Leipziger Fürstenhaus-Erker, nahezu 500 Jahre alt, die zum prächtigsten Renaissance-Gebäude der Messestadt gehörten.
Im Zweiten Weltkrieg ging das Fürstenhaus durch Brand- und Sprengbomben verloren. Erhaltene Teile der Erker restaurierte Thomas Schubert in Berlin, sein Spezialgebiet ist die Steinplastik. Er betont: "Ich habe mich gefreut, wieviel noch erhalten ist. Vor zwei Jahren haben wir alle Teile in die Werkstatt geholt, gereinigt, es wurde eine umfassende Farbuntersuchung gemacht und auch jene Fragmente mit Gips gesichert, die drohten, auseinanderzufallen."
Erinnerung an das historische Fürstenhaus
Nun kehren die repräsentativsten Bruchstücke mit Wappen, Verzierungen und Bildnissen nach rund 80 Jahren auf das Grundstück des ehemaligen Fürstenhauses, Grimmaische Straße / Ecke Universitätsstraße, zurück – seit 1648 Eigentum der Uni Leipzig.
Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen ist sichtlich bewegt, gehörten doch die zwei gleich gestalteten Rund-Erker zum Wertvollsten an Architekturplastik, was in Leipzig je geschaffen wurde: "Hier wird ein stadtgeschichtlicher Bau erinnert, der aus dem Gedächtnis der Bevölkerung weitgehend verschwunden ist. Die architektonische Struktur des Fürstenhauses ist nun erinnerlich und seine Fragmente sind sehr viel wahrnehmbarer als die Rekonstruktion aus den 1980er-Jahren an der Eisdiele. Man kann auch erahnen, wie der Steinmetz daran gearbeitet hat, aber auch das Alter, die Kriegszerstörung 1943, die Notbergung in die Moritzbastei, 1975 den Transport nach Dresden, wo wir die Fragmente beim Steinmetz Hempel vor 15 Jahren wieder in Empfang genommen haben."
Hier wird ein stadtgeschichtlicher Bau erinnert, der aus dem Gedächtnis der Bevölkerung weitgehend verschwunden ist.
Rudolf Hiller von Gaertringen, Kunsthistoriker und Kustos der Uni Leipzig
Erker-Originale gerieten in Vergessenheit
Die Dresdener Bildhauerdynastie Hempel hatte zu DDR-Zeiten eine viel gelobte Kopie der Fürstenhaus-Erker geschaffen. Anfang 1986 eingeweiht, hängt sie gegenüber dem Uni-Grundstück in der Grimmaischen Straße an einem 80er-Jahre-Bau. In Bezug auf Maßstab und Details nahm man nur bedingt Rücksicht auf den Erker, was bereits in den 1980ern für Debatten sorgte.
Und: Die Originale verblieben bei Hempels. "Das war so ein bisschen im Zug der Zeit, dass man die Originale, die das Bedeutendste sind, zurückgelassen und vergessen hat", betont Hiller, "aus meiner Sicht waren sie verschollen und wir haben sie dann relativ schnell nach Leipzig gebracht."
Sonderschau zu den Leipziger Fürstenhaus-Erkern
Mit der Präsentation der Fragmente geht eine Sonderschau im Neuen Augusteum einher, die allen Fragen zum Fürstenhaus ausführlich Genüge tut. Man erfährt, dass Leipzig ab der Renaissance eine Stadt der Erker war, um mehr Licht und Raum in den Häusern zu haben – aber auch, um das Treiben in den Gassen beobachten zu können. Man erfährt weiter, dass das Fürstenhaus seinen Namen durch vier Altenburger Prinzen erhielt, die dort 1612 zwecks Studiums wohnten.
Schon in den 1980ern suchten Genealogen in den drei Wappen des Erkers die Erbauer. Nun nahm man einen weiteren Anlauf – und siehe, der Name Heinrich Stromer von Auerbach taucht auf, Leibarzt etlicher Fürsten. Auch eine Leipziger Lokalität trägt seinen Namen.
Kustos Hiller erklärt stolz, dieses Rätsel gelöst zu haben: "Wir stehen hier vor dem Wappen des Bauherrn. Da ist ein Ziegenbock, dessen Hals nach rechts gewendet ist und dessen Hals mit einem Pfeil von rechts durchschossen ist. Und das Wappen ist ähnlich dem der Auerbachs."
Uni Leipzig arbeitet ihre Geschichte auf
Mit der allumfassenden Aufarbeitung der Erker-Fragmente stellt sich die Uni Leipzig zudem ihrer Geschichte. So wird auch deutlich, warum die Kopie des Anbaus in den 1980ern auf der anderen Seite der Grimmaischen Straße aufgehängt wurde: Auf dem originalen Grundstück befand sich damals der Campus der sozialistischen Universität – und die duldete an ihren Mauern keinen Fürstenhaus-Erker.
Redaktionelle Bearbeitung: op
Informationen zur Ausstellung
Gebaute Renaissance – Das Leipziger Fürstenhaus und seine Erker
Ausstellung
25.Oktober bis 20. Dezember 2024
Feierliche Eröffnung am 24. Oktober 2024, 18 Uhr, Paulinum (Altarbereich)
Galerie im Neuen Augusteum
Augustusplatz 10, 04109 Leipzig
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 11:00 Uhr bis 14:30 Uhr und 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Sonnabend: 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr
Weitere Kulturmeldungen aus Sachsen
- Leipziger Buchmesse 2025 mit neuen Themenwelten KI und Audio mit Audio
- Wütendes Sachbuch: "Verzweiflungen" von Leipziger Autorin Heike Geißler mit Audio
- Dresden: Trauer um Dresdner Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge mit Video
- DDR-Kultband Karat feiert 50 Jahre: Erstes Konzert in Heidenau mit Audio
- Kino gerettet: Cinemaxx Dresden schließt doch nicht mit Video
Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 25. Oktober 2024 | 11:15 Uhr