Abgestorbene Fichten
Sehen seltsam aus, haben aber eine wichtige Aufgabe im Wald: die Baumstubben. Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

Wald der ZukunftWarum in Thüringens Wäldern meterhohe Baumstümpfe stehenAus der Rubrik "Der Redakteur" vom 24.03.2025

24. März 2025, 13:25 Uhr

Sie sehen unschön aus, die zum Teil meterhohen Baumstümpfe in Thüringens Wäldern. An vielen Stellen stehen sie, abgestorben und abgesägt bis auf eine Höhe von eineinhalb bis zwei Metern. Baumstubben sagt der Forstwirt dazu. Was für viele wie ein halbherziger Kahlschlag aussieht, soll den Wald der Zukunft schaffen.

Unser geliebter Thüringer Nadelwald gehört eigentlich nicht hierher. Aber als vor einigen Jahrhunderten die einstigen Buchenwälder für Industrie, Bergbau und Handwerk "verbraucht" waren, setzte man auf schneller wachsende Nadelbäume. Immerhin hatten kluge Köpfe die Einsicht, dass neue Bäume her müssen.

In vielen Regionen Südeuropas oder auch in Großbritannien gab es diese Einsicht nach den Schiffsbau-Orgien nicht und so waldfrei sieht es dort heute auch noch aus. Doch die hierzulande geschaffene Monokultur und die Klimaerwärmung nebst weniger Wasser waren eine Einladung für den Borkenkäfer und das Käferholz musste raus.

Borkenkäfer
Der Borkenkäfer hat auch den Thüringer Fichtenbeständen so zugesetzt, dass ein großer Teil davon jetzt vernichtet ist. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Die neuen Bäumchen müssen aber zum Wachsen trotzdem "waldähnliche" Bedingungen vorfinden. Diese Rolle übernehmen Hochstümpfe, genannt "Stubben".

Diese Hochstümpfe schützen neue Pflänzchen vor Austrocknung und Sturm. Gleichzeitig tragen sie zur Bodenverbesserung und Biodiversität bei.

Dr. Horst Sproßmann von Thüringenforst

Manchmal stehen auch komplette Bäume da. Die Forstfachleute entscheiden darüber je nach Standort und den dort herrschenden Bedingungen.

Natürlicher Schutz für junge Bäume

Die alten Fichtenbestände, die durch den Borkenkäfer massiv geschädigt wurden, sollen durch widerstandsfähigere Mischwälder ersetzt werden. Damit junge Bäume auf den freien Flächen überhaupt eine Chance haben, müssen sie vor Sonne, Wind und Wasserverlust geschützt werden.

Wir pflanzen die neuen Bäumchen direkt an die Nordseite dieser Hochstümpfe. Sie spenden Schatten, verringern die Austrocknung und sammeln Feuchtigkeit im Wurzelbereich.

Dr. Horst Sproßmann von Thüringenforst

Zudem bieten die Stümpfe Schutz vor starkem Wind, der die empfindlichen Jungpflanzen leicht entwurzeln könnte. Doch die Baumreste haben nicht nur eine Schutzfunktion für die nächste Waldgeneration. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Nährstoffversorgung und Artenvielfalt. Totholz ist nämlich lebendiger als man denkt.

Im "Schatten" der alten Bäume wachsen junge heran. Bildrechte: picture alliance/dpa | Michael Reichel

Die Natur ist darauf eingerichtet, ganze Stämme zu zersetzen. Insekten und Mikroorganismen bauten das Holz über Jahre hinweg ab und führten die Nährstoffe zurück in den Boden, so Sproßmann. Der Zersetzungsprozess dauert je nach Baumart unterschiedlich lang. Tendenz: zehn bis 15 Jahre bis zum vollständigen Zerfall.

Waldumbau ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Die heutigen Maßnahmen kommen erst den Enkeln zugute.

Dr. Horst Sproßmann von Thüringenforst

Forstwirtschaftler denken nun einmal in Generationen, nicht in Jahren, auch wenn das nicht in unsere schnelllebige Zeit passt. Ein kleiner Trost: Schon in wenigen Jahren werden die nachwachsenden Bäume die alten Stümpfe langsam überragen - und aus den kargen Flächen wieder etwas entstehen lassen, das tatsächlich schon wie Wald aussieht.

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MDR (dvs)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 24. März 2025 | 16:40 Uhr

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