Hans Peter Große
Erinnerungen eines Geraer Künstlers an die Besatzer
Zeichnerisch verarbeitete Hans Peter Große seine Kindheitserinnerungen an die Zeit des Krieges und die ersten Monate danach. Die Zeichnungen hielt er bis zur Wende 1989 versteckt. Erst danach traute er sich, seine Sicht auf die Ereignisse des Krieges und die Nachkriegszeit öffentlich zu machen.
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Hans-Peter Große, geboren 1934, wuchs in Gera auf und hat schon als Kind gern gezeichnet. Wie alle Jungen aus seiner Straße war er zu Kriegsende (1945) Mitglied beim "Jungvolk", der nationalsozialistischen Kinderorganisation. Hier besuchte er einen Malzikel.
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Mit 16 machte er eine Ausbildung zum Lithografen und arbeitete später in der Druckerei der SED-Bezirkszeitung "Das Volk", der späteren "Volkswacht". Seine Kindheitserinnerungen an die Zeit des Krieges und die ersten Monate danach begann er zeichnerisch zu verarbeiten. Allerdings heimlich.
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Niemandem zeigte er Zeichnungen wie diese: Nazis auf Schloss Osterstein in Gera. Auf der Rückseite des Bildes schrieb er: ...
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"Das 1.000-jährige Reich überlebte nicht mal 12 Jahre, brachte aber unendliches Leid."
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Die Zeichnungen hielt er bis zur Wende 1989 auf dem Dachboden seiner Großeltern versteckt. Erst danach traute er sich, seine Sicht auf die Ereignisse des Krieges und die Nachkriegszeit öffentlich zu machen. Das Bild zeigt die Geraer Innenstadt zur NS-Zeit.
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Auf der Bild-Rückseite notierte er seine Eindrücke: "Ein wahres Opfer des Faschismus ist das Stadtbild Geras!"
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Im Frühjahr 1945 griff die US-Armee nach Jena und Weimar auch Gera an: "Schloß Oberstein diente im Zweiten Weltkrieg der deutschen Wehrmacht als Heeresbedarfslager, bis es am 06. April 1945 in der Zeit zwischen 10.18 bis 10.25 Uhr den Bombenflugzeugen der 8. US-Air-Force zum Opfer fiel."
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Mehr als einhundert Menschen kamen bei den Kämpfen um die Stadt ums Leben, über eintausend Geraer verloren ihre Wohnungen.
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Am 14. April 1945 rollten amerikanische Panzer in Geras Innenstadt. Große erinnert sich: "Ab 13.00 Uhr war jeglicher Widerstand gebrochen. Der Kommandostab der 80. Infanterie-Division richtete am gleichen Tag seine Befehlsstelle im Hotel 'schwarzer Bär' ein."
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Die Amerikaner ersetzen vom Nationalsozialismus belastete Personen in der Verwaltung und zerstörten das, was an die "Helden des Krieges" erinnerte: ...
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"Das Ehrenmal wurde im Mai 1925 den 'Helden' des Ersten Weltkrieges gewidmet. Hitlerdeutschland ging 1939 in den Zweiten Weltkrieg. Die Sieger dieses Wahnsinnes zerstörten das Denkmal im Juni 1945. Die Kommandantur der siegreichen Amerikaner in der Nähe des Theaters wollte diesen Anblick nicht länger ertragen."
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Nur ein paar Monate später folgen im Sommer die Sowjetsoldaten auf die Amerikaner.
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Während Große noch mit einem Schmunzeln über die Amerikaner schreibt, dass diese sich über die veralteten Pistolen der deutschen Privathaushalte lustig machten, schwingt bei der Sowjetarmee großes Unbehagen mit: ...
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"Ganze Straßenzüge werden mit Brettern vernagelt und abgeriegelt. Die sowjetischen Besatzer bringen die Politik und die dazugehörigen deutschen Politiker aus Moskau mit (Kommunisten). Dies bedeutet für uns eine doppelte Bestrafung für den von Deutschland angezettelten und verlorenen Krieg. Hauptsächlich sind die Villenviertel betroffen. Wie soll das alles einmal enden? H.-Peter Große"
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Hans-Peter Große ist verheiratet, hat eine Tochter und Enkelkinder. Die MDR-Zeitreise interviewte ihn im April 2022 als Zeitzeugen zu seinen Kindheitserinnerungen an die letzten Tage des Krieges und den Besatzungswechsel in Gera im Sommer 1945.
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Dieses Thema im Programm:
MDR FERNSEHEN | MDR ZEITREISE | 08. Mai 2022 | 22:20 Uhr