Bilanz 2022 Die wenigsten Blitzeinschläge seit Beginn der Messung in Thüringen

08. April 2023, 06:00 Uhr

Das Gefühl trügt nicht: Im vergangenen Jahrzehnt suchten vergleichsweise wenige Gewitter und Blitze den Freistaat heim. Im vergangenen Jahr gab es nun einen neuen Minusrekord.

In Thüringen sind im Jahr 2022 so wenige Blitz wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnung vor 30 Jahren eingeschlagen. Wie das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) mitteilte, wurden im Vorjahr 6.324 Blitzeinschläge registriert. Im Schnitt sind es im Freistaat demnach 28.412 Blitze - also rund viereinhalb Mal so viele. Bisher wurden die wenigsten Blitze im Jahr 2020 mit knapp 9.000 Einschlägen registriert.

Außerdem verzeichnete die Behörde im Jahr 2022 insgesamt 53 Gewittertage in Thüringen. Dabei handelt es sich um Tage mit mindestens einem Blitzeinschlag auf der thüringischen Landesfläche. Weniger Gewittertage gab es nur im Jahr 2020 mit 51 Tagen. Einen regionalen Schwerpunkt gab es im vergangenen Jahr demnach nicht. Auffällig wenig Blitzeinschläge und Gewittertage wurden in den sonst eher stärker betroffenen Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und Greiz registriert.

Weniger Blitze in den letzten Jahren

Insgesamt gingen in den vergangenen zehn Jahren wesentlich weniger Blitze auf Thüringen nieder als in den Jahren zuvor. Von 1992 bis 2011 wurden noch durchschnittlich 30.000 bis 35.000 Blitze pro Jahr gezählt. Höhepunkt war das Jahr 2007 mit 60.000 Blitzeinschlägen. Seit 2011 waren es im Schnitt nur noch rund 20.000. Die Blitzeinschläge werden seit 1991 vom Blitzinformationsdienst der Firma Siemens (BLIDS) erfasst und in Thüringen vom Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz ausgewertet. Rund 160 Messstationen in Europa werten das elektromagnetische Feld von Blitzen aus.

Gemessen werden nur jene Blitzentladungen, die in Richtung Erde gehen beziehungsweise einen Kontakt zwischen Wolken und Erde herstellen. Man spricht hier auch von Erdblitzen oder Wolke-Erde-Blitzen, die rund ein Drittel aller Blitze ausmachen. Im Gegensatz dazu gibt es Wolkenblitze oder Wolke-Wolke-Blitze, die zwei Drittel der Blitze ausmachen und sich im Wolkenbereich abspielen.

Während Wolkenblitze ungefährlich sind, geht von Erdblitzen eine Gefahr für Menschen aus. Es drohen Verbrennungen, Knochenbrüche oder gar der Tod. Das Risiko von einem Blitz getroffen zu werden, ist allerdings äußerst gering. Bei Hunderttausenden Blitzen, die jährlich in Deutschland einschlagen, kommt es im Durchschnitt zu drei bis vier Todesfällen. Der Juni ist hierzulande der gewitterreichste Monat.

Weniger Blitzeinschläge in Nordthüringen

Um Blitzeinschläge zwischen Regionen vergleichen zu können, werden die jährlichen Erdblitze pro Quadratkilometer berechnet. Hier ist auch von der Blitzeinschlagdichte die Rede. Thüringen schnitt 2022 mit einem vergleichsweise äußerst niedrigen Wert von 0,39 Blitzen pro Quadratkilometer ab. Das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz hat die mittlere Blitzdichte für alle Landkreise und Gemeinden für einen Zeitraum von 30 Jahren ausgewertet.

Besonders häufig blitzt es demnach im Saale-Holzland-Kreis (2,02 Blitze pro Quadratkilometer und Jahr) und Gera (2,00). Hainspitz (2,74 / Saale-Holzland-Kreis), Serba (2,72 / Saale-Holzland-Kreis) und Mechelroda (2,65 / Weimarer Land) sind Spitzenreiter bei den Gemeinden. Schwerpunktorte für Einschläge sind der Große Inselsberg und der Bleßberg mit ihren großen Antennen. An diesen Stellen schlägt der Blitz bis zu 30 Mal jährlich ein.

MDR (sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. April 2023 | 08:00 Uhr

2 Kommentare

Freies Moria am 08.04.2023

Endlich mal eine positive Folge der so genannten Klimakatastrophe!
Ein wenig wärmer könnte es noch sein, dann müssen wir auch nicht mehr im Süden überwintern...

Tamico161 am 08.04.2023

Wirklich wichtig zu wissen! In China sind in der Zeit möglicherweise auch weniger Säcke voll Reis umgefallen!? Zum Glück haben wir keine anderen Probleme.

Mehr aus Thüringen