Wissen-NewsSachsen-Anhalt: Frauen mit koronarer Herzkrankheit weniger gut versorgt
Frauen mit verengten Herzkranzgefäßen sind in Sachsen-Anhalt seltener in fachärztlicher Behandlung und in strukturierten Behandlungsprogrammen als Männer. Eine Untersuchung dazu deutet darauf hin, dass die medikamentöse Behandlung sich daher auch unterscheidet.
Koronare Herzkrankheit ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Bei dieser Erkrankung sind die Koronararterien verengt, was zu Herzinsuffizienz oder -infarkt führen kann. In Deutschland kommt die koronare Herzkrankheit am häufigsten in Sachsen-Anhalt vor, wo jeder Achte darunter leidet. Eine Studie im Auftrag der AOK hat sich mit Geschlechtsunterschieden im Bundesland mit Hinblick auf die medizinische Versorgung beschäftigt und festgestellt, dass Frauen seltener fachärztliche Betreuung wahrnehmen.
Zehn Prozent Differenz beim Besuch von Fachärzten
In der Studie des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Universitätsmedizin Halle wurden die anonymisierten Krankenkassendaten von 130.000 betroffenen Menschen analysiert. Während 22 Prozent der Männer regelmäßig, also mindestens einmal jährlich, einen Facharzt konsultierten, waren es bei den Frauen nur 15 Prozent. Auch bei unregelmäßigen Besuchen, also seltener als einmal pro Jahr, klafft eine Lücke zwischen den Geschlechtern. 43 Prozent der Männer suchten zumindest unregelmäßig einen Kardiologen auf, wohingegen nur ein Drittel der Frauen bei einem Facharzt vorstellig wurden.
Wieso es zu dieser Differenz kommt, zeigen die Daten nicht. Überraschend sind sie schon, sagt Gesundheitswissenschaftler Steffen Fleischer: „Dieser Geschlechterunterschied steht im Gegensatz zu Konsultationen in anderen Fachbereichen.“ Auch nehmen Frauen seltener an strukturierten Behandlungsprogrammen teil, die Patienten und Patientinnen durch Beratung und Verlaufskontrollen unterstützen. Dazu kommt, dass Frauen seltener mit Statinen behandelt werden als Männer (35 versus 50 Prozent) und das, obwohl Patientinnen eher für die Verschreibung in Frage kämen als Patienten. „Vor dem Hintergrund, dass die Medikamentenversorgung durch diese Gesundheitsleistungen grundsätzlich verbessert wird, ist deren geringere Inanspruchnahme durch Patientinnen besonders kritisch zu hinterfragen“, sagt Fleischer. Die Autoren fordern weitere Forschung zu den Hintergründen und Ursachen des Geschlechtsunterschieds bei der Versorgung.
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Dieses Thema im Programm:MDR S-ANHALT | Sachsen-Anhalt Heute | 03. Juni 2024 | 19:00 Uhr
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