Bundestagswahl Wie Maaßen, Ullrich, Witt und Treutler um Südthüringer Wahlkreis kämpfen
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23. September 2021, 05:00 Uhr
Der Südthüringer Bundestagswahlkreis dürfte inzwischen der bekannteste Deutschlands sein - wegen ihm: Hans-Georg Maaßen, 2018 als Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz entlassen, tritt hier für die CDU an. Wie schlägt er sich, wie seine aussichtsreichsten Mitbewerber Frank Ullrich (SPD), Jürgen Treutler (AfD) und Sandro Witt (Die Linke)? Eine Reportage.
Die Südthüringer CDU hatte wirklich Pech. Ihr Bundestagsabgeordneter, der bereits zur Wiederwahl nominierte smarte Nachwuchspolitiker Mark Hauptmann, stolpert im März über umstrittene Geschäfte mit medizinischen Schutzmasken. Er gibt Hals über Kopf das Mandat und alle Ämter auf. Auf die Schnelle musste also ein neuer Wahlkreiskandidat her.
Warum nicht das Unangenehme mit dem Nützlichen verbinden? Schon lange hadern Teile der Südthüringer CDU mit dem Merkel-geprägten Partei-Mainstream in Berlin. Und so suchten sie den Kontakt zu Hans-Georg Maaßen, der seit seinem Rauswurf als Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz öffentlichkeitswirksam den größtmöglichen Abstand zum Unions-Establishment sucht.
Coup gegen das Unions-Establishment
Der Coup gelang. Gegen den Willen von Landes- und Bundes-CDU implementierten die Südthüringer den in Mönchengladbach aufgewachsenen und in Berlin lebenden Ruhestandsbeamten als Bundestagskandidaten.
Doch die politische Konkurrenz hält wacker dagegen. Die SPD bietet mit dem Biathlon-Urgestein Frank Ullrich eine heimische Sportlegende auf, der zudem noch aus der Region stammt und – anders als Maaßen – auch noch jeden Baum in Südthüringen persönlich kennt. Für die Linke geht der ehemalige DGB-Vize des Gewerkschaftsbezirks Hessen-Thüringen ins Rennen. Sandro Witt nennt sich selbst "ein ostdeutsches Arbeiterkind" und hofft auf Unterstützung durch die linke Tradition vor allem in der ehemaligen DDR-Bezirksstadt Suhl. Der gebürtige Sachse und Seit-Langem-Thüringer Jürgen Treutler will für die AfD das Ergebnis seines Parteifreundes Torsten Ludwig übertreffen, der 2017 in dem Wahlkreis Zweiter wurde. Alles deutet darauf hin, dass diese vier Kandidaten das Rennen um das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis 196 unter sich ausmachen.
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