
Kulturtipps für Kids Die spannendsten Museen für Kinder in Sachsen-Anhalt
Hauptinhalt
18. Januar 2025, 12:56 Uhr
In Museen können Kinder viel entdecken und lernen. Nicht nur die Winterferien bieten die perfekte Gelegenheit dazu. Ob in Magdeburg, Halle, Wittenberg, Nebra oder Stendal: Wir geben Tipps für Museen, die für Familien tolle Angebote bereithalten und Wissen spannend vermitteln. Sei es die Arche Nebra, das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle oder das Winckelmann Museum in Stendal – diese Häuser warten nur darauf, von Kindern und Familien besucht zu werden.
Inhalt des Artikels:
- Stendal: Römer und Griechen spielen im Winckelmann-Museum
- Bad Kösen: Puppen von Käthe Kruse
- Lutherstadt Wittenberg: In die Reformationszeit reisen
- Nebra: In der Arche Nebra in die Sterne gucken
- Halle: Staunen in den Wunderkammern der Franckeschen Stiftungen
- Halle: Im Landesmuseum für Vorgeschichte durch die Zeit reisen
Stendal: Römer und Griechen spielen im Winckelmann-Museum
Das Museum in der Altmark widmet sich dem Leben und Werk des Archäologen Johann Joachim Winckelmann (1717–1768), der aus Stendal stammte und später in ganz Europa berühmt wurde. In einem eigenen "Familienmuseum" können Kinder spielerisch viel über Archäologie lernen: Etwa, indem sie eine beim Vesuv-Ausbruch verschüttete römische Villa entdecken oder auf das Trojanische Pferd klettern.
Außerdem stehen Spiele zur Verfügung, mit denen schon Kinder in der Antike Spaß hatten, es gibt ein Labyrinth und Verkleidungen als Römer oder Grieche. Zudem bietet das Museum immer wieder besondere Aktionen für Kinder an.
Bad Kösen: Puppen von Käthe Kruse
Eigentlich wollte die am 17. September 1883 unter dem bürgerlichen Namen Katharina Simon geborene Käthe Kruse Schauspielerin werden. Doch das Zusammentreffen mit ihrem späteren Ehemann Max Kruse änderte ihre Pläne: Da der Bildhauer nicht bereit war, für die gemeinsamen Kinder Puppen zu kaufen, fertigte sie selber welche.
Mit der Ausstellung "Spielzeug aus eigener Hand" 1910 in Berlin wurden ihre Puppen über Nacht berühmt. Damals ein Novum waren sie weich und anschmiegsam: "Kinder für Kinder". In der Kurstadt Bad Kösen baute sie ihre erste Werkstatt auf, in der sie mehr als 15 verschiedene Puppentypen fertigte, von kleinen Puppenstubenfiguren bis zu beweglichen Schaufensterfiguren wie im Bild. Heute erinnert eine Dauerausstellung im Romanischen Haus an die wohl bedeutendste Bürgerin der Kurstadt, die insgesamt 38 Jahre ihres Lebens hier verbrachte, bis sie 1950 aus Angst vor Enteignung in den Westen flüchtete. Das Museum zeigt außerdem Ausstellungen zur Geschichte Bad Kösens, zur Salinetechnik und zum nahe gelegenen Kloster Pforta.
Lutherstadt Wittenberg: In die Reformationszeit reisen
Das im Stil der Renaissance erbaute Melanchthonhaus gilt als eines der schönsten Bürgerhäuser der Lutherstadt Wittenberg. Seit 1996 zählt es zum UNESCO-Welterbe. Die Dauerausstellung zeigt Handschriften, Drucke, Gemälde und Büsten, die von der Bedeutung Melanchthons für die Reformation und für die Entwicklung des Protestantismus erzählen. Der Humanist war Freund und Mitstreiter Martin Luthers und ging als Chefdiplomat der Protestanten in die Geschichte ein.
Die Ausstellung beinhaltet Elemente, die speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt wurden. So erhalten die Kinder einen gusseisernen Schlüssel, der ihnen Zugang zu Truhen, Schränken und versteckten Spielen gewährt. Melanchthons zehnjährige Tochter Magdalena führt die Kinder visuell und auditiv durch die Reformationsgeschichte und durch den Alltag der Familie Melanchthon.
Nebra: In der Arche Nebra in die Sterne gucken
Die Arche Nebra steht golden glänzend auf einem freien Feld im Unstruttal, nahe den Orten Nebra und Wangen. Sie ist der berühmten Himmelsscheibe von Nebra gewidmet. Als man die Scheibe aus der Bronzezeit 1999 fand, war das eine archäologische Sensation. Über 3.600 Jahre alt, ist sie die älteste bekannte Darstellung des Kosmos weltweit. Zwar ist das Original inzwischen im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, doch das Besucherzentrum Arche Nebra widmet sich allen Fragen rund um den Fund auf ungewöhnliche, sehr spannende Art.
Es ist eine modern konzipierte Ausstellung mit Comics, Filmen und einer virtuellen Figur: In die Vitrinen projiziert, führt der "Hausgeist" charmant durch die Arche Nebra. Und es gibt Kreativangebote zum Mitmachen. Im Obergeschoss befindet sich das Planetarium: In einer 20-minütigen Show erfahren Besucher mehr über das erstaunlich komplexe, astronomische Wissen der Bronzezeit. Das Panorama-Café sorgt für das leibliche Wohl.
Die Arche Nebra bietet sich besonders für einen Familienausflug an, Kinder finden hier ein Kasperletheater zur Fundgeschichte und eine Spielecke. Im Anschluss kann man im Restaurant einkehren – von der Sonnenterasse aus hat man einen tollen Ausblick. Wer möchte, unternimmt eine 3,5 Kilometer lange Wanderung zum genauen Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg. Dort steht ein spektakulärer Aussichtsturm, von dem aus man das Kyffhäusergebirge sehen kann.
Halle: Staunen in den Wunderkammern der Franckeschen Stiftungen
Die Franckeschen Stiftungen wurden schon 1698 in Halle gegründet. Der Theologe und Pädagoge August Hermann Francke wollte dort eigene Ideale verwirklichen, indem er Waisen aufnahm und weitere Kinder unterrichtete. Auch international erntete er damit Anerkennung. Heute gilt das Gebäude als ein frühes Beispiel für ein pädagogisches Bauwerk und steht als solches auf der Vorschlagsliste der UNESCO.
Auch im Inneren hat das historische Gebäude Einiges zu bieten: Im Haus finden sich sogenannte Wunderkammern – Sammlungen von spannenden und kuriosen Gegenständen, die nur bedingt einer einzigen Idee folgen. Diese stammen noch aus einer frühen Epoche und gelten als frühe Beispiele für bürgerliche Museen (sonst hatten Adlige eher für sich gesammelt). Noch heute überraschen die Objekte. Außerdem bieten die Franckeschen Stiftungen neben der Dauerausstellung über die eigene Geschichte Sonderausstellungen, die sich besonders an junge Menschen richten – ganz im Sinne des Gründers.
Halle: Im Landesmuseum für Vorgeschichte durch die Zeit reisen
Wie der Himmel wohl vor Tausenden Jahren ausgesehen haben mag? Wer das erkunden will, der muss nach Halle fahren. Das Landesmuseum für Vorgeschichte besitzt mit der inzwischen weltberühmten Himmelsscheibe von Nebra auch die älteste konkrete Darstellung kosmischer Phänomene, die seit 2013 wegen ihrer Bedeutung zum UNESCO-Dokumentenerbe "Memory of the World" gehört.
Vor rund 100 Jahren wurde das Museum übrigens gebaut. Heute liegen im Depot mehr als 15 Millionen Einzelfunde. Zu den Highlights zählen neben der Himmelsscheibe: Der rund 80.000 Jahre alte Fingerabdruck eines Neandertalers auf einem Stück Harz und ebenso ein rund 2.000 Jahre alter germanischer Goldschatz aus dem Braunkohletagebau Profen. Die ältesten Sammlungsstücke sind rund 150 Millionen Jahre alte Saurierspuren aus Bernburg. Und die ältesten Spuren von Menschen in Mitteldeutschland sind rund 370.000 Jahre alte Schädelknochen aus der Steinzeit. Außerdem hat das Landesmuseum auch eine der größten DNA-Banken der Welt – mehrere zehntausend Knochen aus Mitteleuropa lagern in Halle.
Ganz schön viel zu entdecken, dafür gibt es regelmäßig besondere Angebote für Kinder: Jeden Samstag wird zur "Reise in die Steinzeit" geladen: Kleine und große Archäologinnen und Archäologen können die Lebensweise der Urmenschen und ihrer großen tierischen Gefährten erkunden. Jeden letzten Sonntag im Monat finden Familiennachmittage statt.
Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | 11. Dezember 2024 | 19:00 Uhr