
Dienstanweisung an Mitarbeitende Saalekreis gegen gendergerechte Sprache
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30. Juni 2023, 12:00 Uhr
In Schreiben der Behörden des Saalekreises wird zukünftig auf das Gendern verzichtet. Die Verständlichkeit von Texten sei wichtiger als eine diskriminierungsfreie Sprache, heißt es zur Begründung.
- Der Saalekreis beruft sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2018.
- Wer sich nicht an die Regel hält, muss keine disziplinarischen Maßnahmen befürchten.
- Ursprünglich hatte die CDU einen entsprechenden Antrag eingereicht.
Der Saalekreis im Süden Sachsen-Anhalts will keine geschlechtergerechte Sprache verwenden. Eine entsprechende Dienstanweisung hat Landrat Hartmut Handschak (parteilos) erlassen. Das hat das Landratsamt auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt. Zuerst hat die Mitteldeutsche Zeitung darüber berichtet.
Saalekreis beruft sich auf Bundesgerichtshof
Der Kreis verweist auf die Pflicht der öffentlichen Verwaltung zur Barrierefreiheit. Diese umfasse auch die Barrierefreiheit der Kommunikation. Bei der barrierefreien Kommunikation gehe es um leicht verständliche Sprache, um auch Menschen mit sprachlichen und/oder kognitiven Einschränkungen erreichen zu können.
In einem Urteil aus dem Jahr 2018 des Bundesgerichtshofs wird festgehalten, dass die grammatisch männlichen Personenbezeichnungen jedes natürliche Geschlecht umfassen kann. Somit besteht laut Saalekreis keine gesetzliche Pflicht zur gendergerechten Sprache.
Keine Bestrafung für Gendern
An die neue Regel sind laut einer Sprecherin des Kreises alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung des Saalekreises gebunden. Das betrifft rund 1.000 Menschen.
Es werde allerdings keine disziplinarischen Maßnahmen geben, da es sich um eine Richtlinie handle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden bei Missachtung weiter sensibilisiert werden, diese Richtlinie in ihrer Kommunikation umzusetzen.
Ausgang war ein Antrag der CDU
Der Ursprung der neuen Richtlinie zur Kommunikation liegt wohl in einer Kreistagssitzung im März. Damals hatte die CDU einen Antrag eingebracht, mit dem der Kreisverwaltung in allen internen und externen Dokumenten die Verwendung von gender-sensiblen Formulierungen untersagen würde.
Der Antrag wurde diskutiert, letztendlich wurde die Entscheidung jedoch vertagt. Mit der Dienstanweisung könnte der Antrag nun hinfällig sein.
Ähnliche Regelung in Halle und den Landkreisen Mansfeld-Südharz und Burgenlandkreis
Aus ähnlichen Gründen wie im Saalekreis verzichtet der Landkreis Mansfeld-Südharz bereits seit September 2021 auf das Gendern mit speziellen Satzzeichen wie Gendersternchen oder dem großgeschriebenen I. Dies hatte Landrat André Schröder (CDU) in einem Schreiben an die Kreisverwaltung angeordnet.
Demzufolge soll die Gleichstellung der Geschlechter in Schreiben sprachlich berücksichtigt werden. Laut dem Schreiben soll dies im Landkreis Mansfeld-Südharz aus Verständlichkeits-Gründen vorrangig durch die ausgeschriebene männliche und weibliche Schreibweise erfolgen.
Ähnlich handhabt das die Stadtverwaltung von Halle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung können ein Leitfaden für eine geschlechtergerechte Sprache zur Orientierung nutzen, teilte die Verwaltung MDR SACHSEN-ANHALT mit. Im Burgenlandkreis gibt es dagegen keine entsprechende Dienstanweisung. Allerdings lege man Wert auf eine leicht verständliche Kommunikation, hieß es auf Anfrage aus der Kreisverwaltung. Spezielle Sonderzeichen wie Gendersternchen und Unterstriche würden den Lesefluss stören und daher nicht verwendet.
MDR (Hannes Leonard, Dirk Jacobs, Max Schörm), dpa | Erstmals veröffentlicht am 20.06.2023
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Juni 2023 | 08:30 Uhr
ERWIN_1 am 24.06.2023
Nee der seit Jahrhunderten übliche Sprachgebrauch ist ein Spiegelbild der althergebrachten christlichen Frauenfeindlichkeit. Die sich aufgrund von Gewalttätigkeiten in unserer Kultur verfestigt hat. Also halten Sie sich doch bitte an Ihre eigene Empfehlung und lesen Sie nichts ins Gendern rein, was dort nicht zu finden ist.
ERWIN_1 am 24.06.2023
Richtig Ines! Was nilux auch ausblendet es geht hierbei nicht um die gesellschaftliche Akzeptanz einer Minderheit, sondern um die Hälfte der Bevölkerung.
dimehl am 23.06.2023
Stimmt, man sollte doch auch einmal das Positive sehen:
früher hieß es "Meine Herrn." Und fertig.
Heute sind auch Frauen mit dabei und diese werden sogar noch explizit mit erwähnt... ; -)