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Bundestagswahl 2025 Spitzenkandidat Martin Kröber und die SPD auf Stimmenfang in Magdeburg

20. Februar 2025, 11:27 Uhr

Soziale Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Fortschritt und Sicherheit im Alter – die Grundversprechen der SPD für die Bundestagswahl 2025. Als Spitzenkandidat aus Sachsen-Anhalt tritt Martin Kröber für die SPD an. Der gebürtige Halberstädter sitzt bereits seit 2021 im Bundestag – und möchte dort auch bleiben. Auch nach dem Bruch der Ampel-Regierung. Doch wie möchte er und seine Partei das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen? Eine Reportage über seinen Wahlkampftag.

Magdeburg, sechs Uhr morgens. Der Hauptbahnhof ist bereits voller Leben – doch wirklich wach ist hier kaum jemand. Pendler mit müden Gesichtern eilen über den Bahnhofsvorplatz, durch die Kälte des Winters. Mitten im Getümmel steht Martin Kröber, SPD-Spitzenkandidat aus Sachsen-Anhalt für die Bundestagswahl. Eine Wahlbroschüre in der einen Hand, die andere ausgestreckt für einen Handschlag: "Darf ich Ihnen Infos zur Bundestagswahl mitgeben?"

Viele gehen vorbei, schütteln kaum merklich den Kopf. Andere nehmen die Broschüre wortlos entgegen. Die wenigsten bleiben stehen. Kröber kennt das und doch bleibt er dran. Sein Ziel heute: ins Gespräch kommen, überzeugen. Vor allem die Arbeitnehmer, für die seine Partei Politik machen will. Auf seinen Wahlplakaten nennt er sich selbst das "Schwergewicht für Arbeitnehmer*innen" – doch der Wahlkampf ist ein schweres Ringen.

Wähler reagieren sehr unterschiedlich. Viele sind natürlich im Moment sehr frustriert, weil viele Dinge in diesem Land nicht gut funktionieren im Moment.

Martin Kröber SPD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt

Der Frust ist spürbar – auch wegen des vorzeitigen Endes der Ampel-Regierung und den teils heftigen Auseinandersetzungen im Bundestag, besonders zur Migrationsdebatte. Die SPD stellte sich gegen den Gesetzentwurf der Union für eine schärfere Migrationspolitik – ein Schritt, der nicht nur Zustimmung fand.

Martin Kröber (SPD) auf Wahlkampftour 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT Fr 14.02.2025 14:01Uhr 02:24 min

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Zwischen Skepsis und Unentschlossenheit

Viele Pendler haben es eilig, nur wenige nehmen sich Zeit für ein Gespräch. Und die, die mit Martin Kröber sprechen, sind verunsichert. "Momentan habe ich das Gefühl, dass jeder das sagt, was wir hören wollen, und deswegen bin ich so unentschlossen, was ich wählen soll", berichtet eine Dame auf dem Weg zur Arbeit. Eine andere Frau erklärt, dass sie eher strategisch wähle. Sie wolle nicht, dass gewisse Parteien hoch in den Prozenten liegen und wähle deswegen "schon seit Jahren strategisch und SPD wäre eine Option".

Die politischen Entwicklungen haben bei vielen Bürgern Zweifel ausgelöst. Doch längst nicht nur die Migrationspolitik sorgt für Gesprächsbedarf – auch wirtschaftliche und soziale Fragen stehen im Fokus. Ein Herr, der auf dem Bahnhofsvorplatz vorher noch die Kehrmaschine bediente, erzählt von seinen Sorgen. Die Parteien würden das Hauptaugenmerk verlieren und andere politische Themen vergessen. Deutschland brauche auch eine andere Wirtschafts- und Umweltpolitik, protestiert er. Besonders am Herzen liege ihm die Entlastungen für Bürger. Steigende Lebenshaltungskosten, Inflation, Arbeitsplatzsicherheit – Themen, die viele beschäftigen.

Martin Kröber (SPD) auf Wahlkampftour
Vor dem Hauptbahnhof in Magdeburg wirbt Martin Kröber (SPD) um Wählerstimmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Wahlprogramm mit sozialer Handschrift

Soziale Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Fortschritt und Sicherheit im Alter – mit diesen zentralen Versprechen tritt die SPD zur Bundestagswahl 2025 an. Ihr knapp 60-seitiges Wahlprogramm trägt den Titel "Regierungsverantwortung" – ein deutliches Signal, dass die Partei weiterhin die politische Richtung maßgeblich mitbestimmen will. Das sieht auch Martin Kröber so: "Ich glaube, dass wir doch sehr bewiesen haben, dass wir in dieser Regierung die lösungsorientierten waren." Die SPD sei nicht die Partei gewesen, die stets versucht hätte, Fehler aufzumachen. In Zukunft könne jedoch versucht werden, einfacher und besser zu kommunizieren, um so lösungsorientiert an den Problemen zu arbeiten, so Martin Kröber weiter.

Jedes vierte Kind in Sachsen-Anhalt hat nicht ausreichend Essen. Und das sind mir persönlich die zwei wichtigsten Punkte.

Martin Kröber SPD-Spitzenkandidat aus Sachsen-Anhalt

So steht im Wahlprogramm der SPD beispielsweise, dass der Mindestlohn bis 2026 auf 15 Euro angehoben werden soll. Für Martin Kröber ein sehr wichtiger Punkt. Darüber hinaus liegt ihm die kostenlose Essensversorgung in Kindergärten und Schulen sehr am Herzen: "Jedes vierte Kind in Sachsen-Anhalt hat nicht ausreichend Essen. Und das sind mir persönlich die zwei wichtigsten Punkte."

Zusätzlich dazu möchte die Partei das Rentenniveau dauerhaft bei 48 Prozent sichern, um Altersarmut vorzubeugen. Außerdem soll künftig ein abschlagsfreier Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren auch zwei Jahre früher möglich sein.

Ein großflächiges Wahlplakat mit dem Konterfei von Bundeskanzler und Spitzenkandidaten der SPD, Scholz, steht einzeln im Berliner Tiergarten. 2 min
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MDR SACHSEN-ANHALT Fr 14.02.2025 14:01Uhr 02:05 min

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Zwischen Wirtschaftsboom und Diplomatie – SPD setzt auf Stabilität

Als entscheidenden Faktor für Wirtschaftswachstum sieht die SPD mehr Investitionen in Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur. Um das zu erreichen, setzt sie auf einen 100 milliardenschweren Deutschlandfonds. Mit dem Investitionsbonus "Made-in-Germany" möchte die Partei gezielt Anreize für Unternehmen schaffen. So sollen etwa zehn Prozent der Anschaffungskosten für eine neue Maschine direkt über eine Steuererstattung gefördert werden.

Neben den sozialen und wirtschaftlichen Fragen spielt auch die Außenpolitik eine entscheidende Rolle. Der Friedensprozess und die Frage nach Waffenlieferungen sind für die SPD und auch Martin Kröber eng miteinander verknüpft: "Waffenlieferungen mit Augenmaß. Und wir müssen uns weiter für Diplomatie einsetzen und insbesondere für eine atomwaffenfreie Welt." Das sei aber nichts, was man mit einem Mal zaubern könne, so Kröber weiter.

Direkter Austausch im Wohnviertel

Den zweiten Teil von Martin Kröbers Wahlkampftag verbringt er am Olvenstedter Platz in Magdeburg. Wieder beginnt er gemeinsam mit seinem Team den Pavillon und die Aufsteller mit der Wahlwerbung drauf aufzubauen. Gleiches Prozedere wie in den frühen Morgenstunden am Magdeburger Hauptbahnhof. Doch ein Unterschied fällt auf: Die meisten Menschen, auf die er hier trifft und die das Gespräch mit ihm suchen, sind Rentner.

Dennoch ist deutlich weniger los als noch am Morgen am Hauptbahnhof. Ein älterer Herr kommt direkt auf den Wahlkampfstand der SPD zu und sucht das Gespräch. Sein Anliegen: eine noch ausstehende Einmalzahlung zu Corona-Zeiten, so erzählt er. Im direkten Austausch mit ihm versucht der SPD-Spitzenkandidat Kröber herauszufinden, worin genau das ursprüngliche Problem liegt. Schlussendlich einigen sich beide, das Verfahren später genauer zu beleuchten und erneuten Kontakt miteinander aufzunehmen.

Martin Kröber (SPD) auf Wahlkampftour
Martin Kröber (li.) kommt in Magdeburg mit potentiellen Wählern ins Gespräch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umfrage-Trend deutet SPD als drittstärkste Kraft

Martin Kröber zeigt sich engagiert und versucht den Bürgern, die auf ihn zukommen, zu helfen und von sich und seiner Partei zu überzeugen. Und er gesteht auch Fehler aus der letzten Regierungszeit der SPD ein. Als Spitzenkandidat auf der Landesliste hat er nun sehr gute Chancen, erneut in den nächsten Bundestag einzuziehen. Aktuell steht die SPD in Umfragen zwischen 15 und 16 Prozent. Damit ist die Partei aber deutlich hinter der CDU und auch hinter der AfD.

Andere Spitzenkandidaten der Parteien

Friedrich Merz (CDU), Alice Weidel (AfD), Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Die Grünen), Patrick Lindner (FDP), Heidi Reichinnek und Jan van Aken (Die Linke), Sahra Wagenknecht (BSW)
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MDR (Laura Hönes, Fabienne von der Eltz) | Erstmals veröffentlicht am 14.02.2025

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Februar 2025 | 19:00 Uhr

10 Kommentare

Horus vor 5 Wochen

OK ich versuche es noch einmal.
" Spitzenkandidat Kröber mit SPD auf Stimmenfang"
Wenn die SPD auf "Stimmenfang gehen muss wird sie sich wohl bald von der politischen Bühne abmelden.
Offenbar sind die Zeiten vorbei als die SPD ihren Spitzenkandidat mit guter politischen Arbeit die Wähler überzeugen konnte. Nun muß die stolze Arbeiterpartei auf Stimmenfang gehen.
"Stimmenfang" bei einer ander Partei würde man in diesen Zusammenhang von "Rattenfänger" sprechen.
Aber OK nennen wir es Stimmenfang wünsche der SPD
ein fröhliches Petri ? gute Fang.

Shantuma vor 5 Wochen

"... und insbesondere für eine atomwaffenfreie Welt."

Lustig ... der Herr Kröber kennt noch nicht einmal die Realität.

In Deutschland werden in den nächsten Jahren Mittelstrecken Raketen der Amerikaner installiert, ohne das der Kanzler (SPD) dagegen demonstriert hätte (macht man ja nicht unter Freunden, siehe Ankündigung der NS-Sprengung im Frühjahr 2022).

Auch die Aussage zum Export von Waffen, welche momentan eigentlich grundgesetzwidrig funktioniert, ist lustig.

Aber Moral schlägt nunmal Hirn.
In den kommenden Jahren wird unsere überhebliche Moralvorstellung der Untergang der liberalen Gesellschaft sein.
Mit Unterdrückung und Zwang wird man wie die "Kommunisten" ein System erschaffen.
Da ich mir die Rede von J.D. Vance im Englischen angehört habe, kann ich vieles was er sagt auch durchaus unterstreichen.

Wer die Demokratie durch Meinungsäußerungen bedroht sieht, der hat eine sehr instabile Sicht von der Demokratie. Die Demokratie lebt von der Meinungsäußerung!

Shantuma vor 5 Wochen

Leider wird persönliches Engagement durch den Fraktionszwang aka Fraktionssolidarität eingeschränkt.
Somit kann der Kandidat viel versprechen und sich noch so einsetzen, aber durch den Fraktionszwang wird man gehindert, für genau die Interessen die der Wähler gut fand, sich entsprechend einzusetzen.

Somit kann man faktisch sagen, dass der Fraktionszwang demokratiezersetzend ist.

Dazu kommt, dass der Fraktionszwang eigentlich auch nicht erlaubt ist. Denn ein Abgeordneter ist nicht seiner Partei, sondern nur seinem Mandat verpflichtet.

Warum der MDR solche Kommentare sperrt, obwohl diese keine Fake-News, Disinformationen oder andere enthalten ist schleierhaft. Netiquette ... jaja ... irgendwas mit Netiquette ...

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