Hebammenkreißsaal Diakonissenkrankenhaus in Dresden erweitert Angebot für werdende Mütter

09. Mai 2023, 14:19 Uhr

Viele Schwangere wünschen sich eine möglichst natürliche Geburt; sie möchten jedoch nicht auf die sichere Umgebung einer Klinik verzichten. Das Dresdner Diakonissenkrankenhaus will sein Angebot erweitern: Im Oktober wird ein sogenannter Hebammenkreißsaal eröffnet.

Schwangere können sich ab Oktober im Dresdner Diakonissenkrankenhaus für eine Geburt ohne ärztliche Begleitung entscheiden. Dann eröffnet das Krankenhaus seinen sogenannten Hebammenkreißsaal. Nach Angaben des Krankenhauses ist es das erste Angebot dieser Art in der Landeshauptstadt.

Was ist ein Hebammenkreißsaal? Der Hebammenkreißsaal trägt dem Trend zu einer selbstbestimmten Geburt Rechnung. Besteht die Betreuung üblicherweise aus Ärztin oder Arzt und Hebamme, übernimmt im Hebammenkreißsaal eine Hebamme die Leitung. Die Gebärende wird während der Geburt von zwei Hebammen betreut. Sie ermutigen Frauen, aus eigener Kraft, ohne starke Schmerzmittel zu gebären und auf die eigene Geburtskompetenz zu vertrauen. Sollte sich unter der Geburt dennoch eine Komplikation entwickeln, kann ohne zeitliche Verzögerung ein Ärzteteam hinzugezogen werden. Diakonissenkrankenhaus Dresden

Das Ziel: eine 1:1 Betreuung während der Geburt

Das Versorgungskonzept Hebammenkreißsaal strebt eine 1:1 Betreuung während der Geburt an. Die leitende Hebamme am Diakonissenkrankenhaus, Lisa Mühlberg, freut sich gemeinsam mit ihren Kolleginnen auf die neue Situation. Der originäre Hebammenberuf werde durch Wunschkaiserschnitte und Sparmaßnahmen in Frage gestellt. Die Möglichkeit in einem Hebammenkreißsaal zu agieren, sei ein Luxus für alle Beteiligten.

Dass wir uns als Klinik diese intensive Betreuung leisten, ist wunderbar und ein Luxus, der allen Beteiligten zugute kommen wird.

Lisa Mühlberg Leitende Hebamme Diakonissenkrankenhaus Dresden

Sicherheit für werdende Mütter steht an oberster Stelle

Die Sicherheit von Mutter und Kind verringere sich durch das neue Konzept nicht. Es gebe einen strengen Kriterienkatalog. Außerdem würden mindestens zwei Vorgespräche geführt. Darin soll geklärt werden, ob eine Geburt in einem Hebammenkreißsaal möglich ist. Räume wurden dafür nicht verändert, berichtet der Pressesprecher des Diakonissenkrankenhauses Victor Franke. Das Konzept sei kein neues Raum-, sondern ein angepasstes Betreuungskonzept. Sieben Hebammen seien zusätzlich eingestellt worden. Damit seien rund 30 fest angestellte Hebammen für die werdenden Mütter im Einsatz.

Welche Vorteile hat eine Geburt in einem Hebammenkreißsaal? Das Bundesministerium für Bildung und Forschung verweist auf seiner Internetseite auf eine frühere Studie, die bereits 2011 verfasst wurde. Darin werden Unterschiede zu einem herkömmlichen Ablauf im Kreißsaal benannt: So sei die Chance, eine Geburt interventionsfrei zu beenden, also ohne ärztliche Eingriffe, mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie im üblichen Kreißsaal. In Deutschland erlebten nur rund acht Prozent der gesunden Schwangeren eine Geburt ohne eine Periduralanästhesie, kurz PDA (rückenmarksnahe Narkose), einen Wehentropf oder eine Saugglocke.

Rechtlich gesehen dürfen Hebammen eine Geburt ohne Arzt vornehmen. Das ist zum Beispiel bei Geburtshäusern der Fall. Sie verstehen sich als außerklinische Einrichtungen, die ausschließlich von Hebammen betrieben werden. Im Dresdner Diakonissenkrankenhaus könne die Gebärende jederzeit von einem Modell auf das andere wechseln. Wird ein Arzt erforderlich, sei dieser in Minuten vor Ort.

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