
Wissen News Grüner Ammoniak und Schifffahrt: Wie der Kraftstoff verteilt werden kann
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09. Januar 2024, 16:10 Uhr
Kohlenstoffemissionen gehören zur Schifffahrt noch untrennbar dazu. Ein Weg aus diesem Problem könnte Ammoniak sein. Forscher haben untersucht, wie dieser von den Produktionsstätten an die Häfen kommen sollte.
Grüner, sprich umweltfreundlich hergestellter Ammoniak, könnte ein Weg zur Eindämmung von Emissionen sein. Der Kraftstoff soll die Schifffahrt revolutionieren. Forscher vermuten, dass 60 Prozent des Treibstoffbedarfs dort gedeckt werden könnten, indem man lediglich die zehn größten Treibstoffhäfen der Welt damit ausstattet. Die Kosten für die Herstellung von Ammoniak seien relativ moderat, einzig die Infrastruktur, die ausgebaut werden müsste, werde teuer. Zwei Billionen US-Dollar veranschlagen die Wissenschaftler der Universität Oxford für den Ausbau, der besonders in Australien vorangetrieben werden müsse, um den asiatischen Markt zu versorgen.
Drei Prozent der weltweiten Treibhausemissionen sind auf den Ausstoß der Schifffahrt zurückzuführen. Doch wirtschaftlich ist sie essentiell, werden immerhin über 80 Prozent der Waren im Welthandel mit Schiffen transportiert. Bis 2050 soll der Verkehr auf dem Wasser emissionsfrei sein. Doch dies ist ein kompliziertes Unterfangen, erklärt René Bañares-Alcántara, Chemieingenieur der Univerität Oxford: "Die Schifffahrt ist einer der schwierigsten Sektoren für die Dekarbonisierung, da ein Kraftstoff mit hoher Energiedichte benötigt wird und es schwierig ist, verschiedene Gruppen zu koordinieren, um alternative (grüne) Kraftstoffe zu produzieren, zu nutzen und zu finanzieren."
Als Alternative zu Schweröl ist grüner Ammoniak als Dauerlösung im Gespräch. Dieser kann mittels regenerativer Energie in Äquatornähe hergestellt werden, ist leichter zu transportieren als Wasserstoff und könne an Ort und Stelle, wo er gebraucht wird, in Stickstoff und Wasserstoff geteilt werden. Jedoch birgt er auch Gefahren, so entstehen bei der Verbrennung ebenfalls wieder Oxide, die gefährlich für die Umwelt sind. Bisher stellt sich dazu das Problem der Distribution, zu der die Studie aus Oxford einen wichtigen Beitrag leiste, meint Bañares-Alcántara: "Die Auswirkungen dieser Arbeit sind beeindruckend. Nach dem vorgeschlagenen Modell würde die derzeitige Abhängigkeit von erdölproduzierenden Ländern durch eine stärker regionalisierte Industrie ersetzt; grünes Ammoniak wird in Ländern mit reichlich Land und hohem Solarpotenzial in der Nähe des Äquators produziert und dann zu regionalen Zentren der Schiffskraftstoffnachfrage transportiert."
jar/pm
Dieses Thema im Programm: Das Erste | ARTE: Revolution auf dem Wasser - | 22. Juli 2023 | 22:00 Uhr