
Vogelforschung Böse Falle für Vögel: Künstliches Licht in der Stadt
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05. Februar 2024, 09:45 Uhr
Zugvögel steuern oft gefährliche Zwischenquartiere an: Wo es nicht zu frssen gibt, wo man gegen Glaswände fliegt, wo Katzen lauern oder Nahrungskonkurreten. Warum fliegen sie bloß dahin? Schuld ist die Beleuchtung.
Künstliches Licht – tödliche Falle für Vögel? Tatsächlich zeigt das ein Vorfall aus dem Oktober den USA, bei dem beinahe 1.000 Vögel starben, als sie mit einem beleuchteten Glasgebäude zusammen stießen.
So etwas passiert zwar nicht oft, aber Forscher schätzen, dass in den USA jedes Jahr fast eine Milliarde Vögel mit Gebäuden kollidieren. Eine Studie zeigt jetzt deutlich, wie sich Vögel vom künstlichen Licht in Städten und an Stadträndern in die Irre führen lassen. Forscher warnen deshalb: Lichtverschmutzung ist für Vögel auf dem Weg ins Winterquartier höchst gefährlich.
Wo Zugvögel zwischenlanden, lauern verschiedene Gefahren
Kyle Horton an der Columbia-Universität wollte herausfinden, ob man vorhersagen kann, wo Zugvögel bevorzugt Zwischenlandungen einlegen. Dabei zeigte sich klar: Zugvögel machen da Rast, wo es hell ist. Fatal, wenn der vermeintliche Rastplatz Stress statt Erholung bietet: Stressfaktoren sind dann Kollisionsgefahr mit Gebäuden, Katzen als Fressfeinde, geringes Nahrungsangebot oder große Nahrungskonkurrenz und wenig Lebensraum. Theoretisch wären Stadtparks gute Orte für Zwischenstopps, allerdings herrscht dort dann oft Futterknappheit durch Konkurrenz mit standort-treuen Vögeln. Horton vergleicht die Situation mit der von Autoreisenden: Fehlen unterwegs die Tankstellen, bleibt man ohne Benzinnachschub irgendwann liegen.
Die Studie verknüpft mehr als 10 Millionen Radarbeobachtungen mit landschaftlichen und anderen ortsbezogenen Informationen. Das Ergebnis zeigt unter anderem, dass Lichtverschmutzung durch den Menschen dabei eine Hauptrolle spielt, wenn Zugvögel zur Zwischenlandung ansetzen.
Wer hat die Lichtverschmutzung in der Hand?
Bleibt die Frage, was tun? Licht aus in den Städten, dann würden die Vögel weder mit Gebäuden zusammenstoßen, noch in unwirtlichen Gegenden absteigen, mit Katzen oder Futterkonkurrenten. So einleuchtend das klingt – zum weinen gibt es auch viele Gründe für die Beleuchtung, unabhängig von privaten Vorlieben für blinkende Garten-Lichterketten im Dezember. Tatsächlich gibt es Apps wie birdcast, deren Vorhersagen zeigen, wann man das Licht dämmen und zeitweise die Lichtverschmutzung reduzieren könnte, solange sich Zugvögel in der Nähe aufhalten. Vielleicht hilft es auch, sich mal vorzustellen wie man selbst schliefe, wenn es im Schlafzimmer nachts hell wäre, wenn Lichter durchgängig funkeln und blinken.
Links/Studien
Die Studie "Artificial light at night is a top predictor of bird migration stopover density,” lesen Sie hier im Original.
lfw