
Wissen-News Überleben im Untergrund: Warum das Graben die Säuger gerettet hat
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24. März 2025, 15:50 Uhr
Während die Dinosaurier einen Riesenkometen nicht überlebten, verbreiteten sich Säugetiere in der Folge überall. Grund für ihr Überleben war ein Leben im Untergrund, ein Evolutionsvorteil, der nicht nur damals half.
Fuchs, Wühlmaus oder Murmeltier – Säuger, die sich in die Erde eingraben, sind Anpassungskünstler. So leben Fuchsarten sowohl in der Arktis als auch in der Wüste. Grabende Säuger sind besonders gut an widriges und stark schwankendes Klima angepasst.
Wer sich selbst eine Grube gräbt…
Eine neue Studie aus Marburg hat gezeigt, dass sie überdurchschnittlich artenreich gerade dort sind, wo nicht-grabende Tiere Probleme haben: an kalten, wenig produktiven Orten, an denen die Jahreszeiten besonderen Einfluss haben. Und wenn es in der Erdgeschichte große klimatische Umbrüche gab, kam es zu einer Zunahme von grabenden Gruppen.
Stefan Pinkert und Nina Farwig analysierten mit Kolleginnen und Kollegen von der Philipps-Universität die Lebensweise und die Verbreitung von über 4.400 Säugetierarten weltweit sowie deren Verschiedenheit im Verlauf der Evolution. Dabei stellten sie fest, dass in Zeiten starker Umweltveränderungen grabende Säuger eine höhere Diversifikationsrate hatten – also mehr neue Arten bildeten – als nicht-grabende. Erstere überlebten somit wohl auch besonders gut das Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben, und ebneten den Weg zum Siegeszug der Säugetiere über die ganze Erde. Auch spätere Kältephasen überstanden die Untererde-Tiere besser, breiteten sich stärker aus und bildeten besonders viele evolutionäre Linien.
…verbreitet sich im Notfall weiter
"Der Untergrund bietet Schutz vor Prädatoren (Fressfeinden, Anm. d. Red.), am Tag und während der Winterruhe, aber auch in widrigem und stark schwankendem Klima", erklärt Erstautor Stefan Pinkert. "Das ist besonders gut im äthiopischen, tibetischen und chilenischen Hochland zu beobachten, wo wir intensiv forschen. Unsere Ergebnisse zeigen nun, dass dieses Verhalten eine entscheidende Komponente von Überlebensstrategien sehr vieler Arten ist, und es maßgeblich sowohl die Diversitätsmuster als auch die Evolution von Säugetieren beeinflusst hat."
Retter auch für die Landschaft?
Heute leben der Studie zufolge mindestens 40 Prozent aller landlebenden Säugetiere grabend. "Viele von ihnen sind von entscheidender Bedeutung für das terrestrische Ökosystem der Erde. Als Ökosystem-Ingenieure verbessert ihre Grabaktivität die Bodenstruktur, beeinflusst Wasserflüsse und schafft Rückzugsorte für zahlreiche andere Arten", ergänzt die Seniorautorin Nina Farwig. Damit seien die schaufelnden Tiere nicht nur wichtiger Bestandteil vieler Lebensräume, sondern auch ein treibender Faktor für die Widerstandsfähigkeit von Landschaften gegen den Klimawandel.
Links/Studien
Die Studie "Burrowing facilitated the survival of mammals in harsh and fluctuating climates" ist in "Current Biology" veröffentlicht worden.
idw/jar
Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 13. März 2025 | 20:00 Uhr
MDR-Team vor 2 Tagen
Hallo @weils so nicht unwidersprochen bleiben darf,
die im Artikel erwähnte und verlinkte Studie "Burrowing facilitated the survival of mammals in harsh and fluctuating climates" basiert auf wissenschaftlichen Daten und ist keine Spekulation. Sie untersucht, wie grabende Säugetiere durch unterirdisches Leben in extremen Klimabedingungen überlebensfähig wurden. Ihre Aussage über die Bedeutung von Artenzahl und -vielfalt ist in gewissem Maße zutreffend: Es gibt keine klare Regel, dass artenreiche Gesellschaften immer stabiler sind. In einigen Fällen können weniger Arten, die gut an ihre Umgebung angepasst sind, stabiler sein. Die Forschung zur Rolle von Anpassungen wie dem Graben belegt, dass spezifische Überlebensstrategien, wie etwa unterirdisches Leben, in bestimmten Klimaverhältnissen entscheidend waren. Diese Erkenntnisse ergänzen das Verständnis der Evolution, ohne die Vielschichtigkeit der Natur zu reduzieren.
Herzliche Grüße
weils so nicht unwidersprochen bleiben darf vor 2 Tagen
Interessante Spekulation. Aber eben nur Spekulation.
Und ein altes Problem: Die Zahl der "Arten" oder "evolutionärer Linien", in die sich spezifische Tiergruppen aufteilen, gibt nicht notwendigerweise einen direkten Hinweis auf ihre Individuenzahl oder auf die Belastbarkeit ihrer Überlebensstrategien; es gibt durchaus Phasen, Umgebungen und Szenarien, in denen grade das genaue Gegenteil der Fall ist.
Es ist da leider in der Paläontologie wie auch in der Gegenwartsbiologie so eine Art Artenreichtumsfetisichimus entstanden, der z.B.auch immer wieder die längst widerlegte These unhinterfragt verwendet, nach der artenreiche Lebensgesellschaften "stabiler" wären als solche mit nur wenigen Art (und vielen Individuen); es gibt keinerlei wissenschaftlich gesicherten Hinweis darauf, dass dem tatsächlich so ist.